Firmenwert berechnen – Welche Verfahren gibt es?

Die Höhle der Löwen

 

Viele Existenzgründer träumen vom großen Geld. Nicht nur in Form von Finanzspritzen durch Business Angels oder Investoren, sondern auch durch Unternehmensverkäufe. Sei es der Verkauf an einen Konkurrenten oder der Börsengang. So auch bei Die Höhle der Löwen auf Vox. Dort mussten wir immer wieder feststellen, wie schwierig es ist, einen angemessenen Unternehmenswert zu ermitteln. Schließlich gibt es dazu viele Möglichkeiten. Und manchmal tut die Vision des Gründers und die Liebe zum eigenen Start-Up ihr übriges dazu. Doch wie berechnet man eigentlich den Unternehmenswert? Wir stellen einige Möglichkeiten kurz vor.

Multiplikatorenverfahren

Das Multiplikatorenverfahren wird häufig im Investment Banking oder in M&A-Abteilungen großer Wirtschaftsprüfer für einen Schnelltest genutzt. Eigentlich ist dieses Verfahren relativ simpel bei großen Firmen anzuwenden, weshalb es auch wunderbar zur groben Orientierung dient. Dabei werden verschiedene Kennzahlen eines Unternehmens (z.B. der Ertrag vor Steuern und Zinsen oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Aktienunternehmen) errechnet und diese mit denen ähnlicher Marktteilnehmer verglichen. Ideal sind dafür natürlich vorangegangene Deals ähnlicher Unternehmen. Dafür muss es diese aber erst einmal geben. Für den Handwerker um die Ecke also sicherlich nicht die beste Methode. Für das Start-Up aus Berlin aber durchaus vorstellbar.

 

Ertragswertverfahren

Eher an solide und gestandene Unternehmen richtet sich das Ertragswertverfahren. Das ist so simpel, das können Sie mit links. Sie errechnen dabei einfach den Durchschnitt Ihres Ertrages der letzten drei Jahre und multiplizieren diesen mit einem Faktor. Woher nehmen Sie den Faktor? Da gibt es selbstverständlich verschiedene Quellen. Das Bundesfinanzministerium gibt bspw. jedes Jahr einen neuen Richtwert an. Allerdings sollte man diesen nicht als in Stein gemeißelt sehen, da Branche, Größe, Alter ebenso einen wichtigen Einfluss haben. Das Verfahren funktioniert übrigens auch, wenn man den Durchschnittsertrag durch die Kapitalkosten (normalerweise rund 10 – 15%) dividiert.

 

Substanzwertverfahren

Das Substanzwertverfahren guckt eigentlich nur auf Ihre Bilanz. Und zwar auf die Aktivseite. Es errechnet den Wert aller materieller Vermögenswerte. Das war’s. Doch was ist mit Ihrem Know-how oder Ihren Mitarbeitern? Die werden nicht berücksichtigt. Sind Sie nun also eine Unternehmensberatung wie wir, wären Sie eigentlich nichts wert. Besitzen Sie aber einfach nur einen Geldtresor wie Donald Duck, dann ist dies vermutlich kein schlechtes Verfahren.

 

Wie Sie sehen, betrachten viele Verfahren die Ertragsseite. Bei der Höhle der Löwen sehen wir aber immer wieder Unternehmen, die kaum Erträge erwirtschaftet haben und dennoch bereits mehrere Hundertausend Euro wert sein sollen? Wie passt das mit den oben beschriebenen Verfahren zusammen? Gar nicht. Bei Start-Ups wird vor allem deren Potenzial bewertet. Das misst sich an einer Vielzahl an Dingen: Patente, Markt, Team, Produkt und und und. Doch auch hierbei sollte ein Blick auf das Ertragspotential geworfen werden. Denn nicht jedes Start-Up ist Facebook oder Twitter, die jahrelang ohne Erträge aufgebaut wurden.

 

So oder so, wer seinen Unternehmenswert in die Höhe schießen lassen will, der findet auch das richtige Verfahren. Am Ende des Tages ist es aber wie bei allen Dingen im Leben: gibt es niemanden, der Ihren Preis zahlen will, dann bringt Ihnen auch der teuerste Unternehmenswert nichts. Deshalb: achten Sie auf Nachfrage und Angebot.

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